Kostenloser Stützunterricht für den Ausbildungserfolg
Professionelle Unterstützung beim Ausgleich von Leistungsdefiziten – Das abH-Team des Bildungswerkes der Hessischen Wirtschaft e. V.
„Ausbildungsabbruch muss nicht sein!“, findet Annette Sura vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V. (bwhw). Am Frankfurter Standort in der Heddernheimer Landstraße koordiniert sie ein Team von Dozenten und Sozialpädagogen, deren Aufgabe genau darin besteht, einem drohenden Ausbildungsabbruch entgegen zu wirken und den Ausbildungserfolg sicherzustellen. Dies gelingt dem Team ganz offensichtlich: „Praktisch alle von uns betreuten Jugendlichen bestehen die Prüfungen und schließen ihre Ausbildung erfolgreich ab. Nur in wenigen Ausnahmefällen gelingt dies nicht“, meint Annette Sura. „Die Aussichten sind vor allem dann sehr gut, wenn die Jugendlichen nicht auf den letzten Drücker, vielleicht sogar erst kurz vor der Wiederholungsprüfung, sondern rechtzeitig zu uns kommen.“
Schon vom Beginn der Ausbildung an können junge Menschen am Förder- und Stützunterricht des bwhw teilnehmen. Kosten und Gebühren entstehen dadurch nicht, denn diese Leistungen finanzieren das Jobcenter Frankfurt am Main und die Agentur für Arbeit Frankfurt im Rahmen der „ausbildungsbegleitenden Hilfen“ (kurz „abH“). Die Fachleute bezeichnen dieses Unterstützungsangebot als „abH“, im normalen Sprachgebrauch versteht man darunter den „Förder- und Stützunterricht“ als eine Art Nachhilfe für Jugendliche in der beruflichen Erstausbildung, ggf auch mit sozialpädagogischer Begleitung.
Als kostenfreie Fördermaßnahme unterscheiden sich die „abH“ vom herkömmlichen privaten Nachhilfeunterricht, für den Eltern oft tief in die Tasche greifen müssen, um die schulischen Ergebnisse und den Notendurchschnitt ihrer Kinder zu verbessern. Der Förder- und Stützunterricht im Rahmen von abH ist kein Instrument, um durchschnittliche oder gute Ausbildungsleistungen zu einem sehr guten oder exzellenten Abschluss zu bringen. Er zielt vielmehr darauf, die Teilnehmer überhaupt erfolgreich durch die Ausbildung zu führen. Die Jugendlichen werden bei ihren Problemlagen abgeholt und aufgefangen: Bei schlechten Noten in der Berufsschule, Schwierigkeiten im Lernen, Angst vor Prüfungen, Leistungsschwächen in der praktischen Ausbildung oder wenn sie Stress mit dem Ausbilder oder der Ausbilderin und persönliche oder private Probleme haben.
Nutzwert für Ausbildungsbetriebe
Der Förderunterricht dient zur Lösung von Problemsituationen, insbesondere dem Ausgleich und der Bereinigung von Leistungsschwächen bei Jugendlichen in der Erstausbildung, um den Ausbildungsabbruch oder das Scheitern bei der Abschlussprüfung zu verhindern. Fördermöglichkeiten bestehen auch dann, wenn die deutsche Sprache Schwierigkeiten bereitet. Ausbildungsbegleitenden Hilfen sind also immer dann angesagt, wenn die Theorie nicht gerade zu den Stärken eines Jugendlichen zählt oder wenn er zuhause die erforderliche Unterstützung nicht bekommen und in der Familie niemand helfen kann. Eine Förderung ist insbesondere auch für benachteiligte Jugendliche gedacht, z. B. für lernbeeinträchtigte und sozial benachteiligte Auszubildende ebenso wie für Spätaussiedler mit Sprachschwierigkeiten.Ausbildungsbegleitende Hilfen als allgemeine Leistungen kommen auch für behinderte Auszubildende in Betracht, die – bei ungünstigen schulischen oder sozialen Voraussetzungen – nur mit abH eine berufliche Ausbildung absolvieren können, für die aber keine intensive Betreuung in einer Reha-Einrichtung erforderlich ist.
Ferner können auch die Teilnehmer an einem Praktikum der Einstiegsqualifizierung (EQ) im Vorfeld der dualen Ausbildung den Förderunterricht in Anspruch nehmen.
Individuelle Förderung durch erfahrene Profis
Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Frankfurt am Main haben das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V. (bwhw) als einen langjährig erfahrenen Bildungsträger mit der Durchführung der abH-Maßnahmen beauftragt: Das Team in der Heddernheimer Landstraße betreut die Frankfurter Auszubildenden, die an der Maßnahme teilnehmen, und hält insgesamt 253 Plätze bereit. Erfahrene Dozenten unterrichten die Jugendlichen in kleinen berufsfeldbezogenen Lerngruppen und unterstützen sie bei der Behebung ihrer Ausbildungsdefizite. Mindestens einmal wöchentlich für drei Stunden nehmen die Jugendlichen an den Kursen teil, im Bedarfsfall kann die Unterrichtszeit auf bis zu acht Wochenstunden an mehreren Tagen aufgestockt werden. Die Betreuung schließt das fachliche Coaching ebenso wie die mentale Prüfungsvorbereitung ein und geht über die reine Stoffvermittlung hinaus, sie dient der Zweitvermittlung, der Wiederholung und Festigung, ermöglicht auch Rückfragen ohne die typische Situation der Schulklasse und orientiert sich an den Prüfungsinhalten. Es gelingt, auch Förderschüler erfolgreich auf die Abschlussprüfung vorzubereiten. Der Stützunterricht ist in der Regel mit einer sozialpädagogischen Betreuung verbunden.
Das Förderangebot wird individuell auf den Bedarf und die Notwendigkeiten des einzelnen Jugendlichen angepasst. Es umfasst unter anderem
- Förderunterricht in kleinen und berufsfeldbezogenen Lerngruppen,
- Stützunterricht in Fachtheorie, Fachpraxis und allgemeinbildenden Fächern,
- zusätzlichen Deutschunterricht,
- intensive Prüfungsvorbereitung,
- Vermittlung von Lerntechniken („Lernen lernen“),
- Stärkung der Schlüsselqualifikationen,
- EDV- und Bewerbungstrainings sowie
- gemeinsame Freizeitaktivitäten und
- persönliche Beratung und Unterstützung durch eine sozialpädagogische Fachkraft.
Die Belange des Ausbildungsbetriebs werden möglichst umfassend berücksichtigt: Der Unterricht findet in der Regel außerhalb der betrieblichen Arbeitszeit statt, z. B. spätnachmittags und abends bis 20.00 Uhr oder an nicht ausgefüllten Berufsschultagen. Es gibt aber mittlerweile auch eine Reihe von Unternehmen, die ihre Auszubildenden tagsüber für die Teilnahme am Förderunterricht in Zeiten geringerer Kundenfrequenz freistellen.
Besser spät als nie
Die ausbildungsbegleitenden Hilfen sind im Prinzip kein neues Instrument, sondern werden schon über einen längeren Zeitraum angeboten. Relativ neu ist allenfalls der erweiterte Zeitrahmen: Der Förderunterricht kann schon vom Ausbildungsbeginn an in Anspruch genommen werden. Diese Neuregelung entspricht durchaus den Erfahrungen des bwhw. KoordinatorinAnnette Sura betont zwar den Grundsatz „Besser spät als nie!“ Aber sie meint auch, es sei schwer, den Erfolg sicherzustellen, wenn erst wenige Wochen vor der Wiederholungsprüfung angefangen werden soll, grundlegende Defizite auszugleichen, die sich während der bisherigen Lehrzeit und oft noch davor aufgebaut haben. „Wir sind keine Feuerwehr!“, stellt sie fest. Glücklicherweise sind Einsätze in letzter Minute die absolute Ausnahme. „Je früher wir mit dem Stützunterricht beginnen, umso nachhaltiger sind die Erfolge“, lautet das langjährige Fazit.Es gibt kaum Auszubildende, die am abH-Stützunterricht teilgenommen haben und dann an der Abschlussprüfung der beruflichen Erstausbildung scheitern. Teilnehmer, die den Stützunterricht abbrechen, sind ausgesprochen selten. Sie kommen in der Regel aus freien Stücken und bringen die entsprechende Motivation und das erforderliche Durchhaltevermögen mit. Sichtbare Fortschritte tragen zum Erfolg bei.
Der Eintritt in die Maßnahme ist jederzeit möglich, nicht nur zu Beginn eines Ausbildungsjahres oder wenn die Vorbereitung zu einer Zwischenprüfung, einer Prüfung oder einer Nachprüfung ansteht.
Die Teilnahme an einer abH-Maßnahme setzt voraus, dass der Jugendliche – nicht der Ausbildungsbetrieb – einen Antrag bei der Agentur für Arbeit bzw. beim Jobcenter stellt. In der Regel wird die Teilnahme zunächst für ein Jahr bewilligt.
Interessierte Auszubildende können sich direkt mit dem Bildungswerk, dem Jobcenter oder der Arbeitsagentur Frankfurt in Verbindung setzen und die nötigen Anträge stellen. Das abH-Team des Bildungswerkes berät selbstverständlich auch Arbeitgeber über die Angebote des Förderunterrichts.
Das 1972 gegründete Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V. (bwhw) ist eine gemeinnützige Bildungseinrichtung der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) mit Standorten in ganz Hessen. Rund 600 festangestellte und etwa 1.200 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des bwhw ermöglichen jungen Menschen einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben; qualifizieren und beraten Beschäftigte wie Arbeitslose und vermitteln sie in neue Jobs. Sie unterstützen Unternehmen bei der Personal- und Organisationsentwicklung. Das Leistungsspektrum des bwhw umfasst fünf Unternehmensbereiche: Schule und Wirtschaft, Ausbildung und Beruf, Personalservice, Unternehmensservice und Forschung.
www.bwhw.de
Kontakt
Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V.
Region Rhein-Main
Heddernheimer Landstraße 147, 60439 Frankfurt
Ansprechpartnerin:
Gabriele Seitenfuß, Tel. 069 / 58 09 09 - 73
seitenfuss.gabriele@bwhw.de
abH-Team: Tel. 069 / 58 09 09 - 13, 21, 23
www.bwhw.de
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