Statt Arbeitslosigkeit: Einsatz als Siedlungshelfer
Kooperationsprojekt der Rhein-Main Jobcenter, der ABG Frankfurt Holding GmbH und der Gesellschaft für betriebliche Integration
„Siedlungshelfer“ ist ein Kooperationsprojekt der größten Wohnungsbaugesellschaft in Frankfurt am Main mit der Rhein- Main Jobcenter GmbH (RMJ) und der Gesellschaft für betriebliche Integration (BIWAG). Beim Start im September 2007 wurden zunächst 15 langzeitarbeitslose Menschen als Siedlungshelfer im Gallus eingesetzt. Was seinerzeit als Erfahrungstest für das ABG-Servicecenter West konzipiert war, hat die Bewährungsphase längst bestanden und wurde auf andere Stadtteile übertragen: Auch in Griesheim, Schwanheim, Goldstein, Nied, Höchst, Unterliederbach, Sindlingen und Zeilsheim, in der Nordweststadt, in Bornheim und Riederwald wird dieser Service mittlerweile angeboten.
In diesem Erfolgsmodell hat RMJ vom Start bis jetzt weit über einhundert langzeitarbeitslosen Menschen die Chance eines Jobs als Siedlungshelfer ermöglicht. Für eine Dauer von regulär sechs Monaten werden sie bei der BIWAG beschäftigt und von der ABG eingesetzt. Meist handelt es sich um ehemalige Handwerker. Sie erhalten im ersten Quartal 7,60 Euro in der Stunde, danach 7,80 Euro. Mit diesem Lohn sind sie in der Regel als Alleinstehende von SGB-II-Leistungen unabhängig.
Für mehr als zwei Dutzend von ihnen war die Tätigkeit als Siedlungshelfer zudem ein Sprungbrett in eine reguläre Anstellung als Hausmeister und Haushandwerker, als Verwaltungskraft oder in einem anderen Beruf.
Größte Wohnungsbaugesellschaft in Frankfurt
Rund 50.000 Wohnungen in Frankfurt und Umgebung hat die ABG mit ihren Tochtergesellschaften im Bestand. Fast jeder vierte Mietvertrag in der Mainmetropole weist die ABG als Partner aus.
Mehr als die Hälfte der Mieter einer ABG-Wohnung sind über 50 Jahre alt, etwa ein Drittel ist 60 oder darüber. Allein die Altersstruktur bedeutet für die ABG eine besondere Herausforderung von zunehmender Bedeutung, vor allem weil die Mehrzahl der Bewohner ihre Mietwohnung möglichst bis ans Lebensende nutzen möchte. Die Wohnungsbaugesellschaft trägt dieser Entwicklung mit einer alters- und behindertengrechten Ausstattung Rechnung – und mit dem Service der Siedlungshelfer. Damit soll älteren Menschen das Leben in der gewohnten Umgebung erleichtert und, solange es geht, ermöglicht werden. Das Interesse ist beiderseitig: Die Senioren wollen bleiben und die Wohnungsbaugesellschaft will diese Gruppe der soliden und angenehmen Mieter nicht verlieren.
Service in Problemlagen
BIWAG-Geschäftsführer Franz Frey definiert das Aufgabenfeld der Siedlungshelfer: „Sie unterstützen ältere und körperlich behinderte Menschen ebenso wie kranke und alleinstehende Mieterinnen und Mieter bei den vielen kleinen Problemlagen des Alltags, um ihnen das Leben in ihrer Wohnung und in ihrem gewohnten Umfeld zu erleichtern.“
Der Katalog der angebotenen Dienstleistungen ist vielfältig und reicht vom Anschließen der Waschmaschine und anderer Geräte, dem Auf- und Abhängen der Gardinen über die Montage von Mobiliar, die Kleinreparaturen sowie das Putzen von Wohnung und Fenstern bei Krankheit oder eingeschränkter Mobilität bis hin zur kleinen Hausordnung in besonderen Fällen oder auch der großen Hausordnung bei Abwesenheit, Krankheit oder eingeschränkter Mobilität. Sie beraten bei Fragen von Abfallentsorgung und Mülltrennung. Vor allem aber werden die Siedlungshelfer gebraucht, wenn Besorgungen zu erledigen sind, Unterstützung beim Einkauf erforderlich ist oder die Begleitung auf Spaziergängen, beim Arztbesuch oder dem Gang zu Ämtern gewünscht wird. Die Einkaufsdienste stehen neben dem Treppenhausreinigen an der Spitze der Hitliste. Aber auch das ist an der Tagesordnung: Menschen wollen einfach nur mit jemandem reden, weil sie allein sind. In den Zeiten ohne spezielle Einsätze machen die Siedlungshelfer ihre Touren und achten dabei auf die Sauberkeit in den Anlagen, die Verkehrssicherheit und die Einhaltung der Hausordnung.
Einzelne „wohnungsnahe“ Dienstleistungen wie das Anschließen von Waschmaschine oder Fernseher und das An- und Aufhängen der Gardinen sind für Mieter kostenfrei, bei anderen – z. B. der Begleitung – bleibt die erste Stunde unberechnet, erst danach greift ein mäßiger Stundensatz von 6,00 Euro.
Hartmut Bebendorf, bei RMJ für den Bereich der geförderten Beschäftigung zuständig, achtet bei dem Projekt Siedungshelfer genau darauf, dass reguläre Beschäftigung damit nicht verdrängt oder ersetzt wird, sondern eine zusätzliche Dienstleistung angeboten wird, die mit Aktivitäten der freien Wirtschaft nicht in Konkurrenz tritt.
Den Einsatz als Siedlungshelfer bietet RMJ vor allem handwerklich geschickten langzeitarbeitslosen Menschen an, insbesondere im Alter von über 50 Jahren. Darunter sind beispielsweise frühere Handwerker, die wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen ihren Beruf nicht mehr voll ausüben können. Wenn sie selbst schon älter sind, erleichtert dies in der Regel den Umgang mit den Senioren und das Verständnis für sie.
Alle gewinnen
Nach drei Jahren Laufzeit ist für Franz Frey eindeutig: „Alle profitieren von diesem Projekt. An erster Stelle die Mieterinnen und Mieter, die einen Gewinn an Lebensqualität in ihrem gewohnten Umfeld erfahren. Dann die Gesellschaft, weil die Anlagen und Siedlungen sauberer und ordentlicher erscheinen. Und schließlich die eingesetzten Siedlungshelfer. Anstelle der Langzeitarbeitslosigkeit haben sie eine sinnvolle Perspektive und erfahren Anerkennung von den Menschen, die ihren Dienst brauchen.“
Dr. Andrea Lehr, die als kaufmännische Leiterin des ABG-Servicecenters West am Projekt von der ersten Stunde an beteiligt ist, zieht ein positives Fazit ohne jede Einschränkung. Sie verweist auf die hervorragende Resonanz der Mieter. Darin sieht sie sowohl eine Bestätigung für den Kurs der letzten drei Jahre als auch eine Aufforderung zur Weiterführung.

