Leistungsstark am richtigen Platz – mit Handicap

Inklusion: Ausgrenzung behinderter Menschen vermeiden

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Immer noch werden von knapp 1.000 Unternehmen Arbeitsplätze im Agenturbezirk Frankfurt, die für schwerbehinderte Menschen einzurichten sind, nicht zur Verfügung gestellt. Allein im Jahr 2011 haben die Unternehmen im Frankfurter Agenturbezirk über 27 Millionen Euro an Ausgleichsabgabe an die Integrationsämter gezahlt, weil die erforderliche Personenzahl an Schwerbehinderten nicht eingestellt wurde. Und trotz aller Anstrengungen und ganz spezieller Angebote sind weit über 2.500 Menschen mit Schwerbehinderungen im Bezirk der Arbeitsagentur Frankfurt arbeitslos gemeldet – Vorbehalte gegenüber Menschen mit Handicap halten sich hartnäckig.
Karl-Heinz Huth, Leiter der Agentur für Arbeit Frankfurt, betont: „Geschätzten zwei Drittel der Menschen mit Behinderung sieht man ihr Handicap nicht an. Tagtäglich gehen etwa 28.900 von ihnen allein im Frankfurter Agenturbezirk einer regelmäßigen Beschäftigung nach, völlig problemlos. Dennoch halten sich Vorurteile bei Firmen- und Personalchefs, die die Leistungsfähigkeit, den besonderen Kündigungsschutz oder vermeintlich hohe Krankheitszeiten vorschieben. Alles falsch. Inklusion ist die Vermeidung von Ausgrenzung, denn diese kann jeden von uns treffen – jederzeit. Wenn das jedem klar ist, weiß auch jeder, warum Inklusion so wichtig ist – für uns alle.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsagentur Frankfurt erhalten regelmäßige Schulungen, um auf die besonderen Anforderungen bei der Vermittlung und Beratung von Schwerbehinderten eingehen zu können. So weist die Arbeitsagentur ausdrücklich auf ihre zahlreichen Angebote hin:
  • Vermittlung von Fach- und Hilfskräften
  • Maßnahme beim Arbeitgeber – Eignungsabklärung oder Qualifizierung
  • Maßnahmen bei Trägern (Aus- oder Weiterbildung)
  • Frühzeitige Hilfe – vor Abschluss der Maßnahme – bei der Vermittlung in Arbeit
  • Schaffung von Ausbildungsplätzen für Jugendliche mit Behinderung
  • Behindertengerechte Ausstattung bestehender Arbeitsplätze
  • Arbeitsassistenz – Unterstützung am Arbeitsplatz
  • Unterstützte Beschäftigung – individuelle betriebliche Qualifizierung Lohnkostenzuschüsse
  • Fortbildungen und Schulungen – für den Erhalt und die Erweiterung beruflicher Kenntnisse
Arbeitgeber wenden sich bei Fragen zur Einstellung Schwerbehinderter an ihren persönlichen Ansprechpartner oder den Arbeitgeberservice unter 01801/ 66 44 66 (Festnetzpreis 3,9 ct/min; Mobilfunkpreise höchstens 42 ct / min.)
Das aktuelle Stichwort

Barrierefreiheit

Was bedeutet Barrierefreiheit eigentlich in unserem (Arbeits-)Alltag?
  • Barrierefreiheit ist Grundlage der Umweltgestaltung für alle.
  • Die Anforderungen behinderter Menschen und die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für alle brauchen Aufmerksamkeit und Einsatz.
  • Barrierefreiheit betrifft die Gestaltung aller Bereiche: Bauen und Wohnen, Mobilität und Verkehr, Bildung und Kultur, Arbeit, Erholung und Gesundheitswesen, Information und Kommunikation.
  • Barrierefreiheit ist für alle Menschen wichtig, insbesondere für Menschen mit motorischen, sensorischen oder kognitiven Beeinträchtigungen.
  • Nutzungsobjekte sollen von allen eigenständig wahrnehmbar, erreichbar, begreifbar (verständlich), erkennbar und bedienbar sein.
  • Bei der Planung von fünf Maximen leiten lassen: der ergonomischen Gestaltung, dem Fuß-und-Roll-Prinzip, dem Zwei-Sinne-Prinzip, der Verwendung visueller, akustischer und taktiler Kontraste sowie der Anwendung leichter Sprache.
  • Frühzeitige Beteiligung bei allen Maßnahmen zur Herstellung der Barrierefreiheit von behinderten Menschen oder ihren Vertretern und Vertreterinnen. Dies dient dazu, sachgerechte Lösungen zu finden, und fördert die Akzeptanz.
  • Die technischen Regelwerke nutzen, die Erkenntnisse der Forschung und die Erfahrungen der Praxis. Barrierefreiheit braucht Qualität.
  • Objektive und subjektive Sicherheit für alle herstellen. Wesentlich sind vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen. Durch bauliche und organisatorische Maßnahmen ermöglichen, dass behinderte Menschen in die Lage versetzt werden, sich im Notfall selbst zu retten bzw. schnell fremde Hilfe zu aktivieren.
  • Die Erfüllung des Nachhofbedarfs systematisch angehen, damit durch die Herstellung der Barrierefreiheit ein nachhaltiger Nutzen für alle entsteht.
  • An die Zukunft denken. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird die Bedeutung der Barrierefreiheit noch weiter zunehmen.