Foto
Der Sozialmarkt der GFFB in der Mainzer Landstraße wird als „Eigenbetrieb“ geführt und bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Aktivcenters die Praxiserprobung von der Näh-, Holz- und Fahrradwerkstatt über Lager und Logistik bis hin zum Verkauf.

Frauen und Alleinerziehende im Fokus

Die GFFB wurde 1994 als „Gemeinnützige Frankfurter Frauen-Beschäftigungsgesellschaft“ gegründet. Sie richtete sich zunächst ausschließlich an Frauen. Im Zentrum stand damals die Wiedereingliederung von Frauen ins Berufsleben mit dem Ziel, die Existenz durch dauerhafte Erwerbstätigkeit zu sichern. Die GFFB hat sich unter der Leitung der beiden Geschäftsführenden Gesellschafterinnen Monika Brechtel und Barbara Wagner im Lauf der Jahre zu einer wichtigen Einrichtung in der Frankfurter Trägerlandschaft entwickelt und für das Jobcenter Frankfurt eine Reihe innovativer Maßnahmen und Projekte konzipiert und realisiert.

Die Aktivitäten der GFFB gehen inzwischen weit über die Gründungsidee hinaus, Frauen und vor allem Alleinerziehende stehen bei vielen Projekten jedoch nach wie vor im Fokus – auch beim Aktivcenter. Es startete am 1. Juni 2012 mit zunächst 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Kapazität wurde inzwischen auf 120 erhöht und die Laufzeit bis zum 31. Mai 2014 verlängert. Die meisten, die für sechs Monate oder länger an den Kursen und Projekten der GFFB in der Mainzer Landstraße teilnehmen, sind Frauen, viele von ihnen alleinerziehend, alle arbeitslos – ein Drittel sogar länger als fünf Jahre. Einer der Hauptgründe der langen Beschäftigungslosigkeit ist das ungelöste Betreuungsproblem der Kinder.

Die Kinderbetreuung zu regeln und sicherzustellen, ist einer der vorrangigen Ansatzpunkte der GFFB. Sie kann sich dabei auf die eigene Einrichtung „Elbi-Strolche“ stützen, die sie im Mehrgenerationenhaus in der Idsteiner Straße unterhält und die auf die Spontan-Kinderbetreuung zur Unterstützung von Eltern bei Ausfall der regulären Kinderbetreuung ausgerichtet ist. „Elbi-Strolche“ ist gleichzeitig ein Projekt im Rahmen des Aktivcenters: Die Erzieherin Gabriele Esdorf macht die Teilnehmerinnen systematisch mit den Tätigkeiten und Abläufen einer Kinderbetreuungseinrichtung vertraut und bildet sie als pädagogische Hilfskräfte aus. Damit haben sie dann eine gute Beschäftigungschance bei der Unterstützung des Fachpersonals oder können sich zu Erzieherinnen ausbilden lassen.
Foto
GFFB-Projektbesprechung am Flipchart: Dipl.-Sozialpädagogin Jenny Pulcher, Geschäftsführerin Barbara Wagner, Fachleiterin Annette Großmann und Erzieherin Gabriele Esdorf (v. l. n. r.)

In den anderen Projekten bietet das GFFB-Aktivcenter die Möglichkeit, unterschiedliche Arbeitsbereiche kennenzulernen: Lager und Logistik, Handel und Verwaltung, die Näh-, Holz- und Metallwerkstatt, IT und Medien sowie Hauswirtschaft und Veranstaltungsmanagement. Die organisatorische Basis dieser Projekte ist der als Eigenbetrieb von der GFFB geführte „Sozialmarkt“ in der Mainzer Landstraße. Eigenbetrieb bedeutet, dass Abläufe wie in der realen Wirtschaft gelten, dass Kleidung und andere Gegenstände für den Sozialmarkt aufbereitet und hergestellt, gelagert, verwaltet und verkauft werden. Wie im Betriebsalltag wird die Arbeitszeit an der Stechuhr erfasst. Im Sinn der beruflichen Orientierung und Fähigkeitsentwicklung durchlaufen die Teilnehmer möglichst mehrere Projekte.

Ein Schwerpunkt des GFFB-Aktivcenters ist die sozialpädagogische Betreuung und soziale Beratung zur beruflichen Eingliederung. Dazu zählen die Unterstützung bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Qualifikationen, Berufsorientierung und Bewerbungstraining und begleitende Betriebspraktika ebenso wie die Beratung bei der Wohnungssuche und zur Schulden- und Suchtprävention, die Förderung von Sprache und Kompetenzen und insbesondere – mit ESF-Unterstützung – die Gesundheitsförderung durch Bewegung und Ernährung.

Hartmut Bebendorf, der im Jobcenter für das GFFB-Aktivcenter zuständig ist, betrachtet den ganzheitlichen Ansatz der sozialen Beratung und Betreuung in Verbindung mit der praktischen Projektarbeit als notwendig und zielführend, damit die langzeitarbeitslosen Teilnehmer eine passende Lebensweg- und Berufsplanung entwickeln und realisieren können. Eine Perspektive individueller Förderung und Begleitung muss nach seiner Überzeugung ggf. auf das Aktivcenter folgen, um nachhaltige Integrationserfolge zu erzielen.