Fahrgast-Begleitservice – „Ein neues Kapitel in der Verkehrspolitik“
Gemeinschaftsprojekt von Verkehrsdezernat, Verkehrsgesellschaft Frankfurt, Rhein-Main Verkehrsverbund, BIWAG GmbH & Co KG und Rhein-Main Jobcenter GmbH
Seit Anfang Mai ist der Fahrgast-Begleitservice im Livebetrieb. 20 neue Servicemitarbeiter/-innen stehen seither bereit, Menschen mit Einschränkungen bei Mobilität und Orientierung zur Seite zu stehen, wenn sie in Frankfurt Busse und Bahnen nutzen möchten. Das neue Angebot geht auf eine Initiative des Verkehrsdezernates der Stadt Frankfurt am Main zurück. Beteiligt sind die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), der Rhein-Main Verkehrsverbund (RMV), die Rhein-Main Jobcenter GmbH und die Gesellschaftfür betriebliche Integration Frankfurt (BIWAG) als Beschäftigungsträger. "Ein neues Kapitel in der Verkehrspolitik der Stadt Frankfurt", so Verkehrsdezernent Stadtrat Lutz Sikorski. RMJ-Geschäftsführerin Claudia Czernohorsky-Grüneberg erklärt: "Wir verfolgen gemeinsam ein sozialpolitisches Ziel, bei dem langzeitarbeitslose Menschen die Chance zur dauerhaften Wiedereingliederung in das Arbeitsleben erhalten und gleichzeitig das Gemeinwohl dieser Stadt gefördert wird."
Das gemeinsame Projekt dient allen – in erster Linie den betroffenen Menschen, die zeitweise oder auf Dauer in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, die Mühe haben, allein ein- und auszusteigen oder Hilfe bei der Orientierung brauchen. Auch die neuen Servicemitarbeiter/-innen selbst zählen zu den Gewinnern, denn dieses Projekt zieht einen Schlussstrich unter ihre Langzeitarbeitslosigkeit. RMJ kann ihre Integration als einen Erfolg buchen. Schließlich verbessern auch die Verkehrsbetriebe ihr Dienstleistungsangebot an einem neuralgischen Punkt.
Die VGF hat in den letzten Jahren beträchtliche Summen in die Verbesserung der Barrierefreiheit und Behindertengerechtigkeit investiert – durch Ausbau der Zugänge und Umsteigewege unddurch den Einsatz von niederflurigen Fahrzeugen. Verkehrsdezernent Lutz Sikorski erkennt dennoch weiteren Handlungsbedarf, um den Bürgerinnen und Bürgern die Benutzung der städtischen Busse und Bahnen zu erleichtern. Denn manche Menschen nutzen den öffentlichen Nahverkehr nicht, weil sie unsicher sind, ob sie sich in den Fahrzeugen, an Haltestellen oder Stationen tatsächlich zurecht finden oder ob sie – etwa wenn sie auf einen Rollator angewiesen sind – ihren Weg allein und ohne fremde Hilfe zurücklegen können. Sie unterstützt der neue Fahrgast-Begleitservice durch speziell geschulte Mitarbeiter/-innen, die sie von der Wohnungstür bis zum Ziel begleiten. Stadtrat Sikorski: "Mobil sein zu können, ist für die Teilhabe am städtischen Leben von großer Bedeutung. Mit dem Fahrgast-Begleitservice geben wir Bürgerinnen und Bürgern hierbei eine Unterstützung, und zwar - das ist für mich die kleine Revolution - eine persönliche Unterstützung, von Mensch zu Mensch."
Der Fahrgast-Begleitservice steht Seniorinnen und Senioren, allen – auch vorübergehend – mobilitätseingeschränkten Fahrgästen sowie allen Personen, die Unterstützung und Orientierungshilfe für die Fahrt mit Bus und Bahn benötigen, zur Verfügung. Der Service ist kostenlos, nur der reguläre Fahrschein ist erforderlich. Die Servicemitarbeiter/- innen können im Bedarfsfall von Montag bis Freitag in der Zeit von 7.00 Uhr morgens bis 21.00 Uhr abends eingesetzt werden, und zwar für Fahrten im gesamten Stadtgebiet einschließlich der Strecken zum Flughafen Rhein-Main. Der Begleitservice muss spätestens am Vortag angefordert und gebucht werden. Dafür hat die VGF die Serviceline 069 / 213 23 188 geschaltet, die von Montag bis Freitag in der Zeit zwischen 8.00 Uhr und 16.00 Uhr Aufträge entgegen nimmt. Zum vereinbarten Termin holt der Begleitservice die Person an der Wohnungstür ab, bringt sie zum Fahrziel und wieder zurück. Eine Routenplanung hat er schon dabei. Er hilft beim Fahrkartenkauf, Ein-, Aus- und Umsteigen, bei der Orientierung auf den Stationen und dabei, all die Beschwerlichkeiten bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu bewältigen. Menschen mit kleinen und großen Handicaps, Alte, Kranke und Sehbehinderte wissen diesen Dienst hoch zu schätzen. Er erleichtert ihnen die Teilhabe am sozialen Leben.
Die Rhein-Main Jobcenter GmbH sichert die weitgehende Finanzierung des Projektes durch
einen Mitteleinsatz von rd. 800.000 Euro in den nächsten zweieinhalb Jahren. Im Rahmen einer öffentlichen Beschäftigung trägt RMJ 75 Prozent der Lohnkosten. Dabei werden 20 Teilnehmer/-innen zu Servicekräften qualifiziert, um ÖPNV-Kunden die Dienstleistung anzubieten. Die laufenden Kosten teilen sich die VGF und der RMV, die VGF übernimmt zudem die Ausstattung der Mitarbeiter mit Dienstkleidung und Mobiltelefonen. Dafür stehen
rund 150.000 Euro zur Verfügung.
Die neuen Service-Mitarbeiter sind zunächst für sechs Monate befristet bei einem Beschäftigungsträger, der BIWAG GmbH & Co. KG, sozialversicherungspflichtig angestellt. VGF und BIWAG haben dazu einen Arbeitnehmerüberlassungsvertrag abgeschlossen. Die neuen Servicekräfte werden der VGF als Fahrgastbegleiter/-innen überlassen. Das Arbeitsverhältnis kann ggf. um zwei Jahre verlängert werden. Während dieser Zeit haben die Teilnehmer/-innen die Chance, in der VGF einen dauerhaften Arbeitsplatz zu finden. "Ihre Chancen sind gut", meint Geschäftsführer Franz Frey von BIWAG. Sein Unternehmen managet das Projekt und war bereits an der Auswahl der Teilnehmer/-innen beteiligt. "Wir haben darauf geachtet, dass die Bewerber/-innen eine große Affinität zu ihrer Aufgabe mitbringen, kommunikativ sind und Verständnis für die Menschen haben." Vor dem praktischen Einsatz wurden die Teilnehmer in mehrwöchigen Kursen unterwiesen, nicht nur in ÖPNV-Belangen, sondern auch in erster Hilfe und im Umgang mit Behinderten und Sehbeeinträchtigten. Die neuen Servicemitarbeiter sind ausnahmslos von ihrer neuen Aufgabe begeistert und sehen darin eine "sinnhafte Tätigkeit", wie ein Mitarbeiter sagt. Die Dankbarkeit und die Akzeptanz der Menschen, denen er hilft, berühren ihn. Er selbst kommt aus einem Handwerksberuf, den er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann. Mittlerweile hat er, wie andere Mitglieder des Teams, einen Kreis von "Stammkunden", für die er schon wiederholt im Einsatz war. Auch die Fahrgäste, die den Begleitservice in Anspruch nehmen, sind voll des Lobes. Heinrich Scheller, der als Disponent an der Serviceline die Buchungen entgegen nimmt, hört das immer wieder, wenn soziale Einrichtungen oder Einzelpersonen einen Termin buchen. Sein Urteil aus der unmittelbaren Erfahrung: "Der Fahrgast-Begleitservice ist ein Erfolg!"
Das Projekt ist unbefristet, die Ausbildung weiterer Service-Kräfte kann und soll bedarfsgerecht kontinuierlich erfolgen. RMV will nach den ersten Erfahrungen prüfen, inwieweit der Begleitservice auch an anderen Orten im Verkehrsverbund angeboten werden kann. In Frankfurt selbst ist die Fortführung bereits geregelt: Am 1. Juli sind die nächsten zehn Teilnehmer/-innen an den Start gegangen und verstärken das Team nach Schulung und Einweisung.
Lutz Sikorski,
Verkehrsdezernent der Stadt Frankfurt am Main
Claudia Czernohorsky-Grüneberg,
Geschäftsführerin der Rhein-Main Jobcenter GmbH