Hotel und Gastronomie – ein Beschäftigungsmotor in Frankfurt
Eduard M. Singer, Vorsitzender des DEHOGA-Kreisverbandes Frankfurt am Main, über die Perspektiven der Branche
Eduard M. Singer: Ja, das ist richtig! Ein Blick auf die Zahlen macht das deutlich: Im Jahr 2010 hatten wir in Frankfurt 3,7 Mio. Gäste, 2009 waren es 3,2 Mio. Das ist eine Steigerung um fast 464.000 bzw. 14 Prozent. Ähnlich die Entwicklung bei den Übernachtungen: 6,0 Mio. im Jahr 2010 bedeuten eine Zunahme um über 700.000 oder 13 Prozent im Vergleich zu 2009 mit 5,3 Mio. Die Prognose für 2011 geht abermals von einer Steigerung der Übernachtungen und Ankünfte um 8 bis 13 Prozent aus. In den nächsten fünf Jahren, nach der Eröffnung des neuen Terminals 3 am Frankfurter Flughafen und bei einem weiteren konjunkturellen Wirtschaftswachstum sehen wir das Potenzial bei 8 Mio. Übernachtungen. Damit wäre die Obergrenze und das Potenzial dann für Frankfurt aber auch erreicht. Diese Entwicklung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Beschäftigung.
Das Spektrum der Betriebe reicht vom Fünf-Sterne-Hotel bis zur Trinkhalle, von der gutbürgerlichen Gaststätte bis zum Großbetrieb der Systemgastronomie. In dieser Spannbreite bewegen sich die Anforderungen an die beschäftigten Mitarbeiter. Kommt es entscheidend auf die „Dienstleistungsmentalität“ an?
Singer: Sicherlich, die Branche steht für Dienstleistung und Service. Jedoch kann und muss Dienstleistung immer mehr trainiert und geschult werden, um auch ungelernte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen an die Branche zu binden. Dienstleistung beginnt in Zukunft beim Arbeitgeber – Recruitment, Einweisung, Schulung, Entlohnung und Bindung werden die Kernfaktoren für unternehmerisches Handeln im Bereich Personalwesen für unsere Branche sein.
Singer: Sicherlich, die Branche steht für Dienstleistung und Service. Jedoch kann und muss Dienstleistung immer mehr trainiert und geschult werden, um auch ungelernte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen an die Branche zu binden. Dienstleistung beginnt in Zukunft beim Arbeitgeber – Recruitment, Einweisung, Schulung, Entlohnung und Bindung werden die Kernfaktoren für unternehmerisches Handeln im Bereich Personalwesen für unsere Branche sein.
„Fachkräftesicherung“ ist derzeit ein zentrales Thema, auch im HOGA-Bereich. Welche Strategie verfolgen Sie, damit der Fachkräftemangel nicht zur Wachstumsbremse wird?
Singer: Die Frage ist mehr als berechtigt. Mehrere Institutionen beschäftigen sich damit: die DEHOGA, die Schulen und die Betriebe. Unsere Strategie zielt darauf, das Image der Branche als Arbeitgeber zu verbessern, etwa unter dem Slogan: „Spannend – Attraktiv - Zukunftssichernd.“ Dafür starten wir Aktionen gemeinsam mit Betrieben, Schulen, ERFA-Gruppen und setzen auf die Zusammenarbeit mit Verbänden und Institutionen wie DEHOGA, IHK, Arbeitsagentur, Jobcenter, NGG, Stadt Frankfurt, Bildungsministerium und anderen. In diesen Kontext gehören auch die Hotelfachschulen und berufsweiterbildenden Schulen.
Singer: Die Frage ist mehr als berechtigt. Mehrere Institutionen beschäftigen sich damit: die DEHOGA, die Schulen und die Betriebe. Unsere Strategie zielt darauf, das Image der Branche als Arbeitgeber zu verbessern, etwa unter dem Slogan: „Spannend – Attraktiv - Zukunftssichernd.“ Dafür starten wir Aktionen gemeinsam mit Betrieben, Schulen, ERFA-Gruppen und setzen auf die Zusammenarbeit mit Verbänden und Institutionen wie DEHOGA, IHK, Arbeitsagentur, Jobcenter, NGG, Stadt Frankfurt, Bildungsministerium und anderen. In diesen Kontext gehören auch die Hotelfachschulen und berufsweiterbildenden Schulen.
Singer: Ja, es fehlen gute, aber es fehlen generell Auszubildende, das ist uns allen bewusst und die Situation wird sich weiter verschärfen. Wir unterscheiden uns hier nicht wesentlich von anderen Branchen und Wirtschaftszweigen, sondern unterliegen der demografischen Entwicklung. Inzwischen haben wir die Situation, dass die Bewerbungsverfahren für Auszubildende zwei Jahre vor Ausbildungsbeginn erfolgen. So frühzeitig werden die Ausbildungsverträge schon abgeschlossen. Die Branche steht zurzeit für 96.000 Auszubildende in der Bundesrepublik, in Hessen verzeichnen wir 6.000 Auszubildende. In Frankfurt sind aktuell 589 Ausbildungsverträge für die HOGA-Berufe bei der IHK eingetragen, und zwar im einzelnen: 45 Fachkräfte im Gastgewerbe, 76 Fachkräfte für Systemgastronomie, 232 Hotelfachkräfte, 26 Hotelkaufleute, 146 Köche und 65 Restaurantfachkräfte. Uns fehlen Fachkräfte, ohne Wenn und Aber.
Ihre Betriebe bieten Jobs auch für die einfachen Tätigkeiten und Chancen für Teilzeitkräfte, geringfügig Beschäftigte, Aushilfen usw. Wird sich das ändern?
Singer: Das wird sich nicht ändern. Die Branche ist in der Tat so breit aufgestellt, dass sie ausgebildete Fachkräfte genauso braucht wie Mitarbeiter in anderen Bereichen, da die Aufgaben in ihrer Breite verteilt sind und in jedem Tätigkeitsbereich Mitarbeiter gesucht werden. Die Chancen bleiben unberührt und sie steigen sogar auf Grund des Fachkräftemangels und der Wachstumsperspektiven. Ich bin davon überzeugt, dass die Branche auch in Zukunft sehr flexible Beschäftigungsangebote machen kann, weil die Tätigkeiten einfach ausgeübt werden müssen. Deshalb brauchen wir neben Fachkräften und Auszubildenden auch Teilzeitbeschäftigte, Aushilfen und Hilfskräfte – nicht zu vergessen die Quereinsteiger und die älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Singer: Das wird sich nicht ändern. Die Branche ist in der Tat so breit aufgestellt, dass sie ausgebildete Fachkräfte genauso braucht wie Mitarbeiter in anderen Bereichen, da die Aufgaben in ihrer Breite verteilt sind und in jedem Tätigkeitsbereich Mitarbeiter gesucht werden. Die Chancen bleiben unberührt und sie steigen sogar auf Grund des Fachkräftemangels und der Wachstumsperspektiven. Ich bin davon überzeugt, dass die Branche auch in Zukunft sehr flexible Beschäftigungsangebote machen kann, weil die Tätigkeiten einfach ausgeübt werden müssen. Deshalb brauchen wir neben Fachkräften und Auszubildenden auch Teilzeitbeschäftigte, Aushilfen und Hilfskräfte – nicht zu vergessen die Quereinsteiger und die älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Die Vermittlungserfolge des Jobcenters Frankfurt – gerade auch im HOGA-Bereich – zeigen, dass die intensive Betreuung von Arbeitsuchenden den Betrieben hilft, passende Mitarbeiter zu finden. Sollten die Arbeitgeber, insbesondere die kleinen und mittelständischen Unternehmen, dieses Angebot stärker nutzen?
Singer: Ich bin überzeugt davon, dass wir in Zukunft auf Grund des demografischen Wandels auf alle verfügbaren Fachkräfte und Arbeitskräfte zurückgreifen müssen. Die Arbeitslosenzahl wird die 2,8-Mio.- Grenze unterschreiten und die Fachkraft wird zum gut gehandelten Gut. Ältere Arbeitnehmer werden länger beschäftigt werden, Quereinsteiger werden händeringend gesucht werden, Langzeitarbeitslose werden schneller integriert werden müssen. Ich bin überzeugt davon, dass ein Wettbewerb entstehen wird zwischen dem realen ersten Arbeitsmarkt, Jobcentern, Zeitarbeitsfirmen und Trägern.
Singer: Ich bin überzeugt davon, dass wir in Zukunft auf Grund des demografischen Wandels auf alle verfügbaren Fachkräfte und Arbeitskräfte zurückgreifen müssen. Die Arbeitslosenzahl wird die 2,8-Mio.- Grenze unterschreiten und die Fachkraft wird zum gut gehandelten Gut. Ältere Arbeitnehmer werden länger beschäftigt werden, Quereinsteiger werden händeringend gesucht werden, Langzeitarbeitslose werden schneller integriert werden müssen. Ich bin überzeugt davon, dass ein Wettbewerb entstehen wird zwischen dem realen ersten Arbeitsmarkt, Jobcentern, Zeitarbeitsfirmen und Trägern.
Am 1. Mai 2011 herrscht die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU. Welche Effekte erwarten Sie für die HOGA-Betriebe in Frankfurt?
Singer: Mit dem Thema haben wir uns bisher noch nicht ausreichend beschäftigt. Die Neuregelung betrifft Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Slowenien und die Slowakei. Unter dem Aspekt der Dienstleistungsfreizügigkeit ist zu erwarten, dass vermehrt Zeitarbeitsunternehmen aus Osteuropa mit eigenem Tarifvertrag und eigenem Bezahlungssystem aktiv werden. In der Folge besteht das Risiko von Preisdumping! Ich sehe durchaus eine Chance für die Fortentwicklung des Standorts Frankfurt und Deutschland, wenn wir auf Arbeitnehmer aus anderen Ländern zurückgreifen können, soweit sie nicht bereits in Ländern mit bestehender Arbeitnehmerfreizügigkeit wie z. B. England beschäftigt sind. Auf der Seite des Risikos stehen Lohndumping, die Einhaltung von fairen Wettbewerbsregeln, die Problematik von Niedriglöhnen bzw. Mindestlohn sowie die Gefahr von Schwarzarbeit. Es ist also auch darauf zu achten, dass die Beschäftigten aus Osteuropa sozialversichert sind.
Singer: Mit dem Thema haben wir uns bisher noch nicht ausreichend beschäftigt. Die Neuregelung betrifft Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Slowenien und die Slowakei. Unter dem Aspekt der Dienstleistungsfreizügigkeit ist zu erwarten, dass vermehrt Zeitarbeitsunternehmen aus Osteuropa mit eigenem Tarifvertrag und eigenem Bezahlungssystem aktiv werden. In der Folge besteht das Risiko von Preisdumping! Ich sehe durchaus eine Chance für die Fortentwicklung des Standorts Frankfurt und Deutschland, wenn wir auf Arbeitnehmer aus anderen Ländern zurückgreifen können, soweit sie nicht bereits in Ländern mit bestehender Arbeitnehmerfreizügigkeit wie z. B. England beschäftigt sind. Auf der Seite des Risikos stehen Lohndumping, die Einhaltung von fairen Wettbewerbsregeln, die Problematik von Niedriglöhnen bzw. Mindestlohn sowie die Gefahr von Schwarzarbeit. Es ist also auch darauf zu achten, dass die Beschäftigten aus Osteuropa sozialversichert sind.
Über den ermäßigten Mehrwertsteuersatz müssen wir nicht sprechen. Haben Sie Befürchtungen bei der „Bettensteuer“ und der „Kulturförderabgabe“?
Singer: Lassen Sie uns dennoch über den ermäßigten Mehrwertsteuersatz sprechen. Folgende Fakten sind nicht von der Hand zu weisen: Die Änderung war Teil des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes und hatte u. a. als Ziel die Anpassung der Rahmenbedingungen in der EU. Im Vergleich zu anderen Ländern: Frankreich, Spanien und Österreich 8 Prozent, Italien 10 Prozent und die Niederlande 6 Prozent. Laut Umfrage der DEHOGA wurden auf Grund der Mehrwertsteuersenkung 858 Mio. Euro investiert, 6.237 Arbeitsplätze geschaffen, 29,2 Mio. Euro wurden in Lohnerhöhungen und 12,8 Mio. Euro in Schulungen und Weiterbildung investiert. 32,2 Prozent der Befragten gaben an, die Preise gesenkt zu haben. Jetzt zur „Bettensteuer“: Derzeit laufen bundesweit unterschiedliche Verfahren. Diese sind auch nicht vollständig miteinander vergleichbar, da sowohl der Rechtsweg als auch die Satzungen der jeweiligen Kommunen in den Ländern unterschiedlich ausgestaltet sind. In Hessen wurde ein Normenkontrollantrag gegen die Satzung zur Erhebung der Kulturförderabgabe der Stadt Darmstadt vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel eingereicht. Eine Entscheidung in der Sache dürfte wohl in etwa sechs Monaten zu erwarten sein. Wir halten eine solche Abgabe für verfassungswidrig. Wir vertrauen der städtischen Politik und der Zusage des Stadtrates Uwe Becker, dass es in Frankfurt keine Bettensteuer, Kulturförderabgabe oder „Matratzenmaut“ geben wird.
Singer: Lassen Sie uns dennoch über den ermäßigten Mehrwertsteuersatz sprechen. Folgende Fakten sind nicht von der Hand zu weisen: Die Änderung war Teil des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes und hatte u. a. als Ziel die Anpassung der Rahmenbedingungen in der EU. Im Vergleich zu anderen Ländern: Frankreich, Spanien und Österreich 8 Prozent, Italien 10 Prozent und die Niederlande 6 Prozent. Laut Umfrage der DEHOGA wurden auf Grund der Mehrwertsteuersenkung 858 Mio. Euro investiert, 6.237 Arbeitsplätze geschaffen, 29,2 Mio. Euro wurden in Lohnerhöhungen und 12,8 Mio. Euro in Schulungen und Weiterbildung investiert. 32,2 Prozent der Befragten gaben an, die Preise gesenkt zu haben. Jetzt zur „Bettensteuer“: Derzeit laufen bundesweit unterschiedliche Verfahren. Diese sind auch nicht vollständig miteinander vergleichbar, da sowohl der Rechtsweg als auch die Satzungen der jeweiligen Kommunen in den Ländern unterschiedlich ausgestaltet sind. In Hessen wurde ein Normenkontrollantrag gegen die Satzung zur Erhebung der Kulturförderabgabe der Stadt Darmstadt vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel eingereicht. Eine Entscheidung in der Sache dürfte wohl in etwa sechs Monaten zu erwarten sein. Wir halten eine solche Abgabe für verfassungswidrig. Wir vertrauen der städtischen Politik und der Zusage des Stadtrates Uwe Becker, dass es in Frankfurt keine Bettensteuer, Kulturförderabgabe oder „Matratzenmaut“ geben wird.
Welche Erwartungen und Wünsche haben Sie bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen?
Singer: Es gilt, den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Hotelleistungen beizubehalten und für die Gastronomie anzupassen. Abgaben wie Kulturförderabgabe oder Bettensteuer sollen tabu bleiben. Wir halten es für angebracht, den Bebauungsplan der Stadt Frankfurt ändern und überprüfen zu lassen. Denn Frankfurt hat zurzeit bereits 249 Hotelbetriebe mit 36.847 Hotelbetten. 2011/12 kommen weitere 2.583 Hotelzimmer mit 4.000 Betten hinzu. Insgesamt bestehen bereits 3.100 konzessionierte Gastronomiebetriebe in Frankfurt. Wir halten es für richtig und wünschenswert, die Praxis der Hotelschiffe in Frankfurt zu den Messen zu stoppen und die Liegegebühren für die Schiffe drastisch zur erhöhen. Die gute Arbeit der Tourismus + Congress GmbH Frankfurt (TCF) ist weiter zu stärken und der Haushalt für den Tourismus in Frankfurt muss erhöht werden, um weiter den touristischen Standort Frankfurt zu stärken und das Image als Tourismusstadt zu verbessern.
Singer: Es gilt, den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Hotelleistungen beizubehalten und für die Gastronomie anzupassen. Abgaben wie Kulturförderabgabe oder Bettensteuer sollen tabu bleiben. Wir halten es für angebracht, den Bebauungsplan der Stadt Frankfurt ändern und überprüfen zu lassen. Denn Frankfurt hat zurzeit bereits 249 Hotelbetriebe mit 36.847 Hotelbetten. 2011/12 kommen weitere 2.583 Hotelzimmer mit 4.000 Betten hinzu. Insgesamt bestehen bereits 3.100 konzessionierte Gastronomiebetriebe in Frankfurt. Wir halten es für richtig und wünschenswert, die Praxis der Hotelschiffe in Frankfurt zu den Messen zu stoppen und die Liegegebühren für die Schiffe drastisch zur erhöhen. Die gute Arbeit der Tourismus + Congress GmbH Frankfurt (TCF) ist weiter zu stärken und der Haushalt für den Tourismus in Frankfurt muss erhöht werden, um weiter den touristischen Standort Frankfurt zu stärken und das Image als Tourismusstadt zu verbessern.

