Chancen und Notwendigkeiten Älterer am Arbeitsmarkt
Die Beschäftigungsquote Älterer ist in Hessen in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Innerhalb von vier Jahren wuchs die Quote der 50-bis 64-Jährigen um 5,4 Prozentpunkte auf 43,6 Prozent an. Der Trend geht in die richtige Richtung, dennoch liegt die Beschäftigungsquote immer noch signifikant niedriger als die der Gesamtbevölkerung.
Was heißt das im Hinblick auf eine immer älter werdende Gesamtbevölkerung, die eine alternde Erwerbsbevölkerung nach sich zieht? Wie stehen die Chancen für die derzeit über 56.000 arbeitslosen Frauen und Männer über 50 Jahren in Hessen, von denen allein rund 34.000 auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind?
Ältere Arbeitnehmer sind seltener von Entlassungen betroffen als junge; wenn sie aber arbeitslos werden, haben sie es schwerer, in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Mittlerweile sind die Älteren die größte Personengruppe, gemessen an allen hessischen Arbeitslosen. Nimmt man die Teilnehmer/innen in Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik und in vorruhestandsähnlichen Regelungen hinzu, ist man schnell bei einer Zahl von über 70.000 potenziellen Arbeitnehmer/-innen über 50 Jahren.
Während der Krise haben sich die Betriebe in Hessen nur in einem geringen Umfang von älteren Beschäftigten getrennt. Ein Grund dafür mag die Sozialauswahl sein, ein anderer Grund der sich bereits abzeichnende Fachkräftebedarf. Erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden gehalten. Dies war eine wichtige und kluge Entscheidung. Denn in Zukunft ist es für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens zwingend erforderlich, Ältere für Unternehmen zu gewinnen bzw. zu halten. Viele Unternehmen haben dies bereits erkannt und verfolgen nicht länger eine einseitige Verjüngungsstrategie. Arbeitgeber stellen bereits heute fest, dass Nachwuchskräfte nicht mehr in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen. Nur über die Nutzung aller in unserer Gesellschaft vorhandenen Potenziale, also auch unter Einbeziehung von Älteren und ihrer spezifischen Kenntnisse und Fähigkeiten, lässt sich der bevorstehende Fachkräftebedarf begrenzen.
Die Jobcenter stehen vor der großen Herausforderung, die derzeit arbeitslosen Frauen und Männer über 50 Jahren zu fördern und zu motivieren. Nicht selten sind über 300 erfolglose Bewerbungsschreiben die Realität älterer Arbeitsuchender. Eine fatale Situation, denn die Erwerbsbiografien ältere Arbeitslosengeld-II-Empfänger sind brüchig und die eingezahlten Rentenbeiträge gering. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Betroffenen auch im Rentenalter auf eine Grundsicherung angewiesen sind, wird ohne einen Job von Jahr zu Jahr größer. Die Aufgabe der Betriebe sollte es sein, sich auf die spezifischen Anforderungen älterer Mitarbeiter/-innen einzustellen und die Rahmenbedingungen für altersgerechtes Arbeiten zu ermöglichen – im eigenen Interesse so schnell wie möglich.

