„Der Trend ist wirklich positiv“
Frank Albrecht, Präsident des Einzelhandelsverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland e. V., über die Perspektiven der Branche
Der Konsumklimaindex verzeichnet ein Drei-Jahres-Hoch. Ein Nachrichtenmagazin kommentiert dies mit den Worten: „Die Deutschen shoppen sich aus der Krise.“ Als Präsident des Einzelhandelsverbandes können Sie sich über die aktuelle Entwicklung doch eigentlich nur freuen?Präsident Frank Albrecht: Ja, gewiss. Die internationale Finanz- und Kapitalmarktkrise hat den Einzelhandel eigentlich nicht erreicht, weil die Nettoeinkommen ja nicht unbedingt gesunken sind. Die Menschen waren prinzipiell gewohnt, Geld auszugeben. Die Einzelhandelsumsätze haben zwar stagniert, aber das haben sie auch schon in den zehn Jahren vor der Finanzmarktkrise. Nach meiner Auffassung hat der Einzelhandel die Krise hervorragend gemanagt. Durch viele Investitionen wurden die Arbeitsplätze stabil gehalten. Die Stimmungslage war schon lange nicht mehr so gut wie jetzt. In den letzten Wochen verzeichnen wir teilweise ein Umsatzplus von zehn bis fünfzehn Prozent. Zu den positiven Faktoren zähle ich auch, dass es aktuell keine Themen gibt, die die Menschen verunsichern – anders als die Schweinegrippe vor einem Jahr. Dieses Thema hatte schlimmere Auswirkungen auf das Konsumklima als die Finanzmarktkrise. Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin sehr zufrieden.
Albrecht: Der Onlinehandel ist offenkundig der Bereich, an dessen Entwicklung man als erstes denkt. Onlineshopping spielt für den Einzelhandel zwar eine Rolle, ist aber keine dramatische Bedrohung, sondern allenfalls eine Herausforderung. Der stationäre Einzelhandel bringt sich selbst durch Onlineshops ein. Es gibt Einzelhändler, die im Internet mehr Umsatz als im stationären Bereich erzielen. Die Grenzen zwischen Versandhandel und Onlineshopping sind ohnehin fließend. Die verschiedenen Handelsformen und Vertriebswege muss man aber im Zusammenhang der Strukturveränderungen, die der Handel eigentlich seit Jahrzehnten erlebt, sehen und bewerten. Das heißt: Es gibt anhaltende Verschiebungen innerhalb des Einzelhandels. Die gegenwärtige Situation ist vor allem durch einen intensiven Wettbewerb der Standorte bestimmt, nicht so sehr durch einen Wettbewerb der Einzelhändler untereinander. Es gibt einen dramatischen Flächenzuwachs und dadurch einen Verdrängungswettbewerb.
Im Wettbewerb brauchen wir vor allem gute Mitarbeiter. Dabei ist es unter dem Strich nicht entscheidend, in welchem Bereich des Einzelhandels die Menschen beschäftigt sind. Was für mich zählt, sind die Arbeitsplätze unter dem Strich, unabhängig davon, ob wir die Mitarbeiter im stationären Einzelhandel oder in den anderen Handelsbereichen beschäftigen. Die Gesamtentwicklung beim Einzelhandel bleibt stabil, auch beim Facheinzelhandel. Die Hoffnungen richten sich natürlich immer auf Umsatzsteigerungen.
Wie beurteilen Sie die Situation speziell in Frankfurt?
Albrecht: Die Stadt Frankfurt ist und war eigentlich schon immer ein hoch attraktiver Standort für den Einzelhandel. In der Region ist – absolut gesehen – eine hohe Kaufkraft vorhanden, die Einkommen der Menschen liegen um etwa 25 Prozent über dem Durchschnitt anderer Regionen. Dem entsprechen die sehr gut ausgeprägten Einzelhandelsstrukturen in der Stadt und die Angebotsvielfalt. Vor allem der innerstädtische Bereich hat an Attraktivität erheblich gewonnen – dank beträchtlicher Investitionen. Ich denke zum Beispiel an die Entwicklung der Zeil insgesamt und an MyZeil im besonderen. Wir brauchen Projekte wie dieses, die die Attraktivität eines Standortes insgesamt fördern. Die Menschen sind tatsächlich bereit, Geld auszugeben. Ich denke dabei nicht an die kleine Schicht der Millionäre, sondern an die große Zahl der Menschen, die in der florierenden und gesunden Wirtschaft der Rhein-Main-Region gutes Geld verdienen. Von diesen Menschen lebt der Einzelhandel.
Albrecht: Die Stadt Frankfurt ist und war eigentlich schon immer ein hoch attraktiver Standort für den Einzelhandel. In der Region ist – absolut gesehen – eine hohe Kaufkraft vorhanden, die Einkommen der Menschen liegen um etwa 25 Prozent über dem Durchschnitt anderer Regionen. Dem entsprechen die sehr gut ausgeprägten Einzelhandelsstrukturen in der Stadt und die Angebotsvielfalt. Vor allem der innerstädtische Bereich hat an Attraktivität erheblich gewonnen – dank beträchtlicher Investitionen. Ich denke zum Beispiel an die Entwicklung der Zeil insgesamt und an MyZeil im besonderen. Wir brauchen Projekte wie dieses, die die Attraktivität eines Standortes insgesamt fördern. Die Menschen sind tatsächlich bereit, Geld auszugeben. Ich denke dabei nicht an die kleine Schicht der Millionäre, sondern an die große Zahl der Menschen, die in der florierenden und gesunden Wirtschaft der Rhein-Main-Region gutes Geld verdienen. Von diesen Menschen lebt der Einzelhandel.
Jeder zwölfte Beschäftigte in diesem Land arbeitet im Einzelhandel, das sind rund drei Millionen Menschen, 75 Prozent von ihnen sind Frauen. Sind Mitarbeiter/-innen einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren?
Albrecht: Das ist ohne jeden Zweifel richtig. Der Mangel an guten Mitarbeitern darf nicht zum Engpass werden, Fachkräftemangel darf sich nicht zur Wachstumsbremse entwickeln. Deshalb müssen wir alles daran setzen, dass es nicht in die Richtung einer Art Notstand läuft. Es gibt ja nicht nur die vielen Arbeitsplätze, die wir im Einzelhandel haben. Sondern wir denken auch an die Zukunft und bilden enorm viele Jugendliche aus. Die Branche ist einer der großen Ausbilder mit 165.000 Ausbildungsplätzen. Das sind die Leute von morgen, die wir dringend brauchen. Der Facheinzelhandel benötigt qualifizierte Mitarbeiter, denn viele Produkte sind beratungsbedürftig. Da genügt es nicht, Mitarbeiter einfach an die Kasse zu stellen. Die Unternehmen und der Einzelhandelsverband sind darüber hinaus auch in der Weiterbildung engagiert – sowohl mit unserem Weiterbildungszentrum als auch mit der Akademie für Welthandel.
Albrecht: Das ist ohne jeden Zweifel richtig. Der Mangel an guten Mitarbeitern darf nicht zum Engpass werden, Fachkräftemangel darf sich nicht zur Wachstumsbremse entwickeln. Deshalb müssen wir alles daran setzen, dass es nicht in die Richtung einer Art Notstand läuft. Es gibt ja nicht nur die vielen Arbeitsplätze, die wir im Einzelhandel haben. Sondern wir denken auch an die Zukunft und bilden enorm viele Jugendliche aus. Die Branche ist einer der großen Ausbilder mit 165.000 Ausbildungsplätzen. Das sind die Leute von morgen, die wir dringend brauchen. Der Facheinzelhandel benötigt qualifizierte Mitarbeiter, denn viele Produkte sind beratungsbedürftig. Da genügt es nicht, Mitarbeiter einfach an die Kasse zu stellen. Die Unternehmen und der Einzelhandelsverband sind darüber hinaus auch in der Weiterbildung engagiert – sowohl mit unserem Weiterbildungszentrum als auch mit der Akademie für Welthandel.
Geht es mehr um die Fachlichkeit der Mitarbeiter als um ihre „Softskills“?
Albrecht: Damit sprechen Sie ein gravierendes Problem an. So mancher heutige Bewerber hat ein großes Manko. Ich meine nicht die Schulnoten. Denn was im Zeugnis steht, können wir einordnen und bewerten. Über eine schlechte Note kann man hinwegsehen, und auch eine Fünf in Mathe reißt mich nicht gleich vom Hocker. Aber die Fehlstunden! Von 18 Fehltagen 17 unentschuldigt, das ist kein Renommee. Es gibt Betriebe, die nicht mehr ausbilden wollen. Das ist irgendwie nachvollziehbar, kann aber wirklich keine Lösung sein. Ich argumentiere entschieden gegen diese Einstellung und kann sie nicht hinnehmen, weil sie die Betriebe ins Abseits führt.
Jugendliche mit ungünstigen Voraussetzungen kann ein Betrieb durch die „EinstiegsqualifizieEinstiegsqualifizierung“ an die Ausbildung heranführen. Empfehlen Sie dem Einzelhandel, dieses Instrument verstärkt zu nutzen?
Albrecht: Zunächst dürfen wir die hohe Zahl sehr guter, qualifizierter und leistungsbereiter junger Menschen nicht außer Betracht lassen. Es geht nicht um die Jugend insgesamt, sondern um einen Teil. Die Einstiegsqualifizierung halte ich für ein taugliches Instrument, etwa die schulmüden oder die praktisch veranlagten jungen Mensch zu erproben und ihnen wenigstens Grundqualifikationen zu vermitteln. Sorge bereitet uns der leider wohl zunehmende Anteil von jungen Leuten, die nicht oder nur sehr bedingt ausbildungsfähig und ausbildungswillig sind. Das können wir so nicht hinnehmen, sondern müssen gegensteuern. Damit dürfen wir aber nicht erst anfangen, wenn die Ausbildung beginnen soll. Hier sehe ich eine dringende Aufgabe für unser ganzes System einschließlich der Schule und der Kinderbetreuung. Gemeinsam müssen wir Lösungen für die sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen schaffen.
Albrecht: Zunächst dürfen wir die hohe Zahl sehr guter, qualifizierter und leistungsbereiter junger Menschen nicht außer Betracht lassen. Es geht nicht um die Jugend insgesamt, sondern um einen Teil. Die Einstiegsqualifizierung halte ich für ein taugliches Instrument, etwa die schulmüden oder die praktisch veranlagten jungen Mensch zu erproben und ihnen wenigstens Grundqualifikationen zu vermitteln. Sorge bereitet uns der leider wohl zunehmende Anteil von jungen Leuten, die nicht oder nur sehr bedingt ausbildungsfähig und ausbildungswillig sind. Das können wir so nicht hinnehmen, sondern müssen gegensteuern. Damit dürfen wir aber nicht erst anfangen, wenn die Ausbildung beginnen soll. Hier sehe ich eine dringende Aufgabe für unser ganzes System einschließlich der Schule und der Kinderbetreuung. Gemeinsam müssen wir Lösungen für die sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen schaffen.
Wird es zunehmend schwieriger, gute Mitarbeiter/-innen zu finden?
Albrecht: Es wird schwieriger. Die erste Welle waren die Menschen, die aus Mittel- und Nordhessen bzw. dann aus den neuen Bundesländern, vor allem aus Thüringen, in das Rhein-Main-Gebiet kamen. In der nächsten Welle hatten wir anschließend den Zustrom der Russlanddeutschen, vor allem die Frauen haben sich hervorragend im Einzelhandel engagiert, während bei den Männern die Situation etwas schwieriger war. Diese Quelle ist versiegt, dieses Potenzial gibt es nicht mehr. Deshalb bin ich für eine geordnete, intelligente Zuwanderungspolitik.
Albrecht: Es wird schwieriger. Die erste Welle waren die Menschen, die aus Mittel- und Nordhessen bzw. dann aus den neuen Bundesländern, vor allem aus Thüringen, in das Rhein-Main-Gebiet kamen. In der nächsten Welle hatten wir anschließend den Zustrom der Russlanddeutschen, vor allem die Frauen haben sich hervorragend im Einzelhandel engagiert, während bei den Männern die Situation etwas schwieriger war. Diese Quelle ist versiegt, dieses Potenzial gibt es nicht mehr. Deshalb bin ich für eine geordnete, intelligente Zuwanderungspolitik.
Erfordert der hohe Frauenanteil den Einsatz von flexibler Arbeitszeit und Teilzeitbeschäftigung im Sinn der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
Albrecht: Wohl kein Zweig der deutschen Wirtschaft zeigt so viel Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung wie der Einzelhandel, nirgends sonst gibt es eine so hohe Zahl von flexiblen Arbeitsplätzen. Wir können maßgeschneiderte, auf die Interessen der beschäftigten Frauen bezogene Lösungen und Regelungen anbieten. Frauen haben deshalb generell einen idealen Arbeitsplatz im Einzelhandel. Auch die 400-Euro-Jobs haben eine Bedeutung. Sie sind eine gute Möglichkeit für Frauen in der Elternzeit, in der Warteschleife zu bleiben, bis die Lebenssituation eine Erweiterung der Arbeitszeit wieder zulässt. Dabei ist nicht die vermeintlich schlechte Bezahlung das Thema. Wer eine gute Leistung bringt, wird er auch gut bezahlt. In meiner Wahrnehmung ist den Menschen die Bezahlung selbstverständlich sehr wichtig, aber entscheidend ist für viele das betriebliche Umfeld, die Qualität des Arbeitsplatzes und ähnliche Faktoren.
Albrecht: Wohl kein Zweig der deutschen Wirtschaft zeigt so viel Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung wie der Einzelhandel, nirgends sonst gibt es eine so hohe Zahl von flexiblen Arbeitsplätzen. Wir können maßgeschneiderte, auf die Interessen der beschäftigten Frauen bezogene Lösungen und Regelungen anbieten. Frauen haben deshalb generell einen idealen Arbeitsplatz im Einzelhandel. Auch die 400-Euro-Jobs haben eine Bedeutung. Sie sind eine gute Möglichkeit für Frauen in der Elternzeit, in der Warteschleife zu bleiben, bis die Lebenssituation eine Erweiterung der Arbeitszeit wieder zulässt. Dabei ist nicht die vermeintlich schlechte Bezahlung das Thema. Wer eine gute Leistung bringt, wird er auch gut bezahlt. In meiner Wahrnehmung ist den Menschen die Bezahlung selbstverständlich sehr wichtig, aber entscheidend ist für viele das betriebliche Umfeld, die Qualität des Arbeitsplatzes und ähnliche Faktoren.
Sie haben die Strukturveränderungen im Einzelhandel angeführt. Betrifft das auch die Inhabernachfolge?
Albrecht: Das Problem kennen wir seit Jahren im Einzelhandel wie im Handwerk und im Mittelstand generell. Fast unbemerkt gehen renommierte Fachhändler in den Ruhestand, die Geschäfte schließen, weil die Inhaber, zum Teil dann schon über 70, keinen Nachfolger finden. In den innerstädtischen Bereichen wird diese Entwicklung nicht so deutlich sichtbar, aber in den Stadtteilen und vor allem in den kleineren Gemeinden sind die Auswirkungen mitunter gravierend. Der Standort, die Versorgungsqualität kann darunter leiden.
Albrecht: Das Problem kennen wir seit Jahren im Einzelhandel wie im Handwerk und im Mittelstand generell. Fast unbemerkt gehen renommierte Fachhändler in den Ruhestand, die Geschäfte schließen, weil die Inhaber, zum Teil dann schon über 70, keinen Nachfolger finden. In den innerstädtischen Bereichen wird diese Entwicklung nicht so deutlich sichtbar, aber in den Stadtteilen und vor allem in den kleineren Gemeinden sind die Auswirkungen mitunter gravierend. Der Standort, die Versorgungsqualität kann darunter leiden.
Gehen Sie mit Optimismus in das Weihnachtsgeschäft?
Albrecht: Das Weihnachtsgeschäft wird Spitze! Nur dramatische Ereignisse wie ein Hochwasser, eine Grippewelle oder eine unvorhersehbare Katastrophe können die Entwicklung beeinträchtigen. Die Nettolöhne steigen, die Sparquote ist so hoch wie immer, der Arbeitsmarkt ist so stabil, dass die Menschen keine Angst haben. Das sind die besten Voraussetzungen für ein sehr gutes Weihnachtsgeschäft. Der Trend ist wirklich positiv.
Albrecht: Das Weihnachtsgeschäft wird Spitze! Nur dramatische Ereignisse wie ein Hochwasser, eine Grippewelle oder eine unvorhersehbare Katastrophe können die Entwicklung beeinträchtigen. Die Nettolöhne steigen, die Sparquote ist so hoch wie immer, der Arbeitsmarkt ist so stabil, dass die Menschen keine Angst haben. Das sind die besten Voraussetzungen für ein sehr gutes Weihnachtsgeschäft. Der Trend ist wirklich positiv.

