500.000 Euro von der Stadt Frankfurt für 70 neue Stellen

Gemeinschaftaktion der Rhein-Main Jobcenter GmbH mit dem Jugend- und Sozialamt und Trägern – Schwerpunkt Altenpflege

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Das Interkulturelle Altenhilfezentrum Victor-Golancz-Haus ist in seiner Art bundesweit einmalig. Der Frankfurter Verband e. V., Träger des Hauses, nutzt die Gemeinschaftsaktion von RMJ und Stadt und plant die Beschäftigung von zwölf zusätzlichen Pflegeassistenten.

Die Stadt Frankfurt am Main stellt jeweils 500.000 Euro zusätzliche Mittel in den Jahren 2010 und 2011 für die Beschäftigungsförderung bereit und setzt mit dieser Initiative ein Signal: "Die Beschäftigungsförderung nimmt für mich insgesamt eine Schlüsselrolle in der Sozialpolitik ein", so Dezernentin Daniela Birkenfeld. "Hier müssen wir ansetzen, um den Betroffenen in ihrer aktuellen Lebenssituation eine neue Perspektive zu geben, aber auch um der Kinder- und Altersarmut vorzubeugen." Das Jugend- und Sozialamt, die Rhein-Main Jobcenter GmbH (RMJ) und die beauftragten Träger realisieren die geplanten Maßnahmen in enger Kooperation. Rund 70 Stellen können damit zusätzlich geschaffen und mit Langzeitarbeitslosen aus dem Betreuungsbereich von RMJ besetzt werden. Ein Schwerpunkt der Kampagne ist die Alten- und Krankenpflege, die weiteren Einsatzbereiche erstrecken sich von der pädagogische Arbeit mit Kindern über die Beratung für Weiterbildung bis hin zum Einzelhandel. "Die aktive Einflussnahme der Kommune auf den Arbeitsmarkt begrüßen wir uneingeschränkt!", hebt RMJ-Geschäftsführerin Claudia Czernohorsky-Grüneberg hervor. RMJ stellt für dieses Projekt Mittel in Höhe rund 1,5 Mio. Euro in einem Zeitraum von zwei Jahren zur Verfügung: "Bei Erfolg ein gut investiertes Geld!"
Foto: Ute Bychowski
Ute Bychowski, Fachbereichsleiterin Stationäre Pflege des Frankfurter Verbandes für Alten- und Behindertenpflege e. V.:"Dieses Projekt ist eine tolle Maßnahme."

Arbeitsmarktnahes Fördermodell


Basis dieser konzertierten Aktion ist das Förderinstrument des Betrieblichen Eingliederungszuschusses(BEZ) nach § 16e SGB II. Claudia Czernohorsky-Grüneberg erläutert: "Langzeitarbeitslose werden sozialversicherungspflichtig beschäftigt und nach Tariflohn bezahlt. 75 Prozent des Arbeitsentgelts übernimmt RMJ, die übrigen Kosten muss normalerweise der Arbeitgeber tragen." Die BEZ-Förderung betrifft Langzeitarbeitslose mit zwei zusätzlichen Vermittlungshemmnissen – z. B. einem fehlenden Schul- und Berufsabschluss oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen –, die keine nachhaltigen Integrationschancen haben. Ziel der zunächst zweijährigen Förderung ist ein reguläres Arbeitsverhältnis und die Unabhängigkeit von staatlichen Transferleistungen. "Durch eine Beschäftigung auf dieser Basis erlangen die Kunden/-innen Selbstbewusstsein und soziale Kompetenzen und werden in die normale Arbeitswelt eingebunden", so Claudia Czernohorsky-Grüneberg. "Ihre berufliche Neuorientierung ist auf den Weg gebracht und sie werden weiterqualifiziert." Bei den zusätzlichen Kosten für Qualifizierung, die der Arbeitgeber definiert, kann jeder Teilnehmer mit bis zu 2.400 Euro im ersten Jahr gefördert werden. RMJ hat bisher rund 300 Langzeitarbeitslose über das Förderinstrument BEZ in verschiedenen Berufen bei unterschiedlichen Trägern in Arbeit gebracht, z. B. im bundesweit ausgezeichneten Energiesparprojekt der Caritas, im Grünflächenamt, im Siedlungshelferprojekt der BiWAG oder beim Fahrgast-Begleitservice der VGF. In der Bewertung von Sozialdezernentin Birkenfeld: "Arbeitsmarktnäher kann eine Maßnahme gar nicht sein." Bislang sei diese "sinnvolle Form der Beschäftigungsförderung" noch nicht in dem wünschenswerten Umfang genutzt worden. Interesse zeigten zwar insbesondere Vereine und Träger der freien Wohlfahrtspflege, sie konnten aber die 25-Prozent-Komplimentärfinanzierung aus eigenen Mitteln nicht leisten. Hier springt die Stadt ein und übernimmt diesen Finanzierungsanteil, das sind Kosten zwischen 6.500 Euro und 8.000 Euro pro Jahr und Platz, die Hauptlast trägt RMJ. Die Sozialdezernentin möchte mit dieser Beschäftigungsförderung "zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen": Langzeitarbeitslose sollen einen Job bekommen und die soziale Infrastruktur der Stadt soll gestärkt werden. Deshalb liegt ein Schwerpunkt im Bereich der Altenpflege.
Foto: Birkenfeld
Prof. Dr. Daniela Birkenfeld, Dezernentin für Soziales, Senioren, Jugend und Recht: "Durch diese Beschäftigungsförderung möchte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Langzeitarbeitslose sollen einen neuen Job bekommen und die soziale Infrastruktur der Stadt soll gestärkt werden."

Schwerpunkt Altenpflege


In Frankfurt besteht bereits jetzt ein Mangel an Pflegekräften bei weiter steigendem Bedarf. Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2025 rund 4.850 Frankfurter Bürger/-innen auf ambulante Pflege angewiesen sind, rund ein Drittel mehr als derzeit. Mit einem ähnlichen Anstieg auf 4.750 Betroffene wird bei der stationären Pflege gerechnet. In der Folge werden 20 Prozent mehr Pflegekräfte benötigt, das entspricht 350 Vollzeitstellen. Neben einer verstärkten Ausbildung hält die Sozialdezernentin die Schaffung zusätzlicher Jobs für Altenpflegehelfer für zielführend: "Natürlich kann ein Altenpflegehelfer keinen gelernten Altenpfleger ersetzen. Aber es gibt zahlreiche Aufgaben, die auch ein Altenpflegehelfer erledigen kann. Das entlastet die Fachkräfte und davon profitieren die betreuten Seniorinnen und Senioren." Die geeigneten Bewerber/-innen erkennt RMJ durch ein Profiling und qualifiziert sie vorab in einer Arbeitsgelegenheit (AGH) – einem so genannten "Ein-Euro-Job", einer Beschäftigung mit einer Mehraufwandsentschädigung, die in Frankfurt 1,50 Euro pro Stunde beträgt. Im Sinn einer Förderkette werden sie danach für eine Teilnahme an dem BEZProjekt ausgewählt und einem kooperierenden Träger zur Einstellung vorgeschlagen. Dieser entscheidet in einem Auswahlverfahren. "Im Vordergrund steht für uns absolut, dass die Teilnehmer nach dieser intensiven Förderung tatsächlich einen regulären ungeförderten und unbefristeten Arbeitsplatz finden", so die RMJ-Geschäftsführerin.
Foto: Claudia Czernohorsky-Grüneberg
Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin der Rhein-Main Jobcenter GmbH: "Die aktive Einflussnahme der Kommune auf den Arbeitsmarkt begrüßen wir uneingeschränkt!"

Kooperationspartner: Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe e. V.

Mit zwölf geplanten Stellen gehört der Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe e. V. zu den wesentlichen Kooperationspartnern an diesem Gemeinschaftsvorhaben der Stadt Frankfurt und der Rhein-Main Jobcenter GmbH. Der Frankfurter Verband besteht seit mehr als 90 Jahren. Er ist der größte Träger sozialer Einrichtungen in Frankfurt. Sein Angebot deckt die gesamte Bandbreite von Dienstleistungen für ältere Frankfurter Bürger/-innen ab und reicht vom betreuten Wohnen über die ambulante Pflege und den Hausnotruf bis hin zu eigenen Pflegeheimen und einem vielseitigen Freizeit- und Veranstaltungsprogramm für die Generation 50plus einschließlich Begegnungsstätten und Clubs. Einrichtungen des Frankfurter Verbandes sind mehrere Pflegeheime – teilweise mit Tagespflege – wie das Bürgermeister-Gräf-Haus in Sachsenhausen, das Heinrich-Schleich-Haus in Offenbach, das Julie-Roger-Haus in Eckenheim, die Pflegeheime Praunheim und Bockenheim, das Sozial- und Rehazentrum West in Rödelheim und das in seiner Art bundesweit einmalige Interkulturelle Altenhilfezentrum Victor-Golancz-Haus in Sossenheim. Der Frankfurter Verband unterhält eine Schule für Altenpflege und bildet Altenpflegehelfer/-innen und Altenpflegefachkräfte für Pflegeeinrichtungen und für den ambulanten Dienst aus.
Anforderungen und Ziele

Für Ute Bychowski, die Leiterin Stationäre Pflege, ist das Projekt "eine tolle Maßnahme", denn in der Altenpflege werden Mitarbeiter/-innen gebraucht – Fachkräfte ebenso wie Helfer. "Die Anforderungen an die Mitarbeiter/-innen sind vielfältig. Grundsätzlich ist es wichtig, dass sie ein echtes Interesse für ihre Mitmenschen mitbringen. Im Vordergrund der Altenpflege steht die Fürsorge und Aufmerksamkeit für ältere und pflegebedürftige Menschen. Ihnen einen selbstbestimmten und würdevollen Alltag zu ermöglichen, ist das Ziel der Arbeit." Aktuell laufen beim Frankfurter Verband die Einstellungsverfahren auf der Grundlage der RMJVorschläge. Die Freiwilligkeit der Teilnahme ist für Ute Bychowski ein wichtiger Indikator für die Motivation eines Bewerbers. Auf diesem Weg der geförderten Beschäftigung will der Frankfurter Verband Menschen, die sich für die Arbeit bzw. die Ausbildung in der Altenpflege interessieren, einen Einstieg ermöglichen. Die Teilnehmer werden in der Pflegeassistenz eingesetzt – und zwar zusätzlich. Das bedeutet: Sie unterstützen die Fachkräfte des Pflegepersonals in ihrer täglichen Arbeit. Dabei lernen sie grundlegende Tätigkeiten der Altenpflege kennen und werden in den Grundlagen der Altenpflege theoretisch und praktisch qualifiziert. Der zusätzliche Einsatz erfolgt nicht in der Pflege, die Fachkräften vorbehalten ist, sondern in Leistungen wie der Begleitung der Bewohner, Spazierengehen und Vorlesen und ähnlichen Aktivitäten, die zur Steigerung von Lebensqualität und Wohlbefinden beitragen, letztlich durch den Leistungskatalog der Pflegestufen aber nicht abgedeckt sind. Darin erkennt Ute Bychowski den hohen Nutzen der Maßnahme für die alten Menschen, den Sinn für die Teilnehmer sieht sie darin, dass sie ihre Langzeitarbeitslosigkeit durch eine tariflich entlohnte regelmäßige Beschäftigung beenden und in den zwei Jahren der Erprobung und Qualifizierung für sich herausfinden, ob ihnen die Tätigkeit in diesem Berufsfeld entspricht. Die beruflichen Zukunftsaussichten jedenfalls sind denkbar gut.
Foto: J. Otto
Joachim Otto, Leiter des Arbeitsbereichs Beschäftigung und Qualifizierung der Diakonie Frankfurt am Main: "Die zusätzlichen Leistungen durch die Helfer in den Arbeitsgelegenheiten sind ein Gewinn an Menschlichkeit und Qualität."

Diakonisches Werk Frankfurt: Qualifizierung zur Betreuungs- und Pflegeassistenz


Um der Nachfrage nach angelerntem und niedrigschwellig qualifiziertem Personal gerecht zu werden, hat das Diakonische Werk Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Rhein-Main Jobcenter GmbH ein Qualifizierungskonzept entwickelt. Das Projekt wurde im Sommer 2009 gestartet, alle Teilnehmer der Endrunde haben die Qualifizierung zur Betreuungs- und Pflegekraft erfolgreich absolviert: Sechs von ihnen haben eine Anschlussbeschäftigung beim Frankfurter Verband gefunden, drei wurden vom Hufeland-Haus, dem Kooperationspartner der Diakonie, übernommen. Alle anderen sind in aussichtsreichen Bewerbungsverfahren und werden "sicher in Arbeit kommen", so vermutet Joachim Otto, der Leiter des Arbeitsbereichs Beschäftigung und Qualifizierung der Diakonie. "Die Chance einer Einstellung in diesem Arbeitsbereich ist sehr hoch." Die Maßnahme zielt darauf, dem Engpass in der Versorgung mit professionellen Hilfskräften in der Altenpflege entgegen zu wirken.
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"Mühlespiel" – Bewohner des Hufeland-Hauses in Frankfurt-Seckbach werden – wie in anderen Einrichtungen– über die Pflegesätze hinaus betreut, weil Langzeitarbeitslose bei "Arbeitsgelegenheiten"(AGH) eingesetzt werden, fachlich begleitet von dem Dipl.-Sozialpädagogen Ralf Ottenheim (li.). Tomislav Matanovic (Mi.) hat seinen Job im Anschluss an die AGH gefunden, Guido Schwerberger (re.) ist Teilnehmer der neuen zwölfmonatigen Maßnahme, die das Diakonische Werk im Auftrag der Rhein-Main Jobcenter GmbH durchführt.

Basis: Arbeitsgelegenheit


Basis der Qualifizierung zur Betreuungs- und Pflegeassistenzist die "Arbeitsgelegenheit" (AGH), der so genannte "Ein-Euro-Job". Während der zwölfmonatigen Kursdauer beziehen die Teilnehmer weiter Arbeitslosengeld II und erhalten eine Mehraufwandsentschädigung von 1,50 Euro pro Stunde bei 25 Wochenstunden. Aufbau und Inhalt der Qualifizierung orientieren sich an der Ausbildung zum Altenpflegehelfer, sowohl in der Theorie wie in der Praxis. Zunächst erfolgt eine theoretische Grundeinweisung im 14-Tage-Vollzeitunterricht, während der folgenden Wochen werden die Teilnehmer im Praxisfeld der ambulanten und stationären Altenpflegehilfeeinrichtungen eingesetzt und haben einmal wöchentlich einen "Reflexionstag". Die Qualifizierung endet mit einem Kolloquium und wird mit einem Zertifikat der Altenpflegeschule im Hufeland-Haus abgeschlossen. Die Absolventen der Qualifizierungsmaßnahme haben die Möglichkeit, dann einen Arbeitsplatz aufzunehmen oder in die dreijährige Ausbildung einzusteigen. Bei der Zielgruppe hat Joachim Otto besonders erwerbslose Langzeitarbeitslose über 35 Jahre im Blick, Personen mit erheblichen Vermittlungshemmnissen, Arbeitsuchende mit Migrationshintergrund ohne Berufsausbildung bzw. ohne anerkannten Berufsabschluss und Menschen mit Brüchen in der Berufsbiografie ohne Schulabschluss sowie Bewerber/-innen, die aufgrund von körperlichen Einschränkungen die reinen Pflegeberufe nicht ausüben können. Die Qualifizierung ist auf allgemein persönlichkeitsbildende, die Arbeitsmarktnähe fördernde und zum Berufsbild der Altenpflege hinführende Ziele ausgerichtet. Das bedeutet, dass sie Know-how erwerben und soziale Kompetenzen erlangen, zu strukturierten Tagesabläufen, Selbstorganisation, Pünktlichkeit und Ausdauer hingeführt werden. Joachim Otto macht besonders darauf aufmerksam, dass die Teilnehmer an der Qualifizierungsmaßnahme zur Betreuungs- und Pflegeassistenz "selbstverständlich nicht im medizinischen und therapeutischen Bereich eingesetzt" werden, dort wo Pflegefachkräfte ihre Funktion haben und Leistungen den Pflegesätzen entsprechend abrechenbar sind. Sie erledigen keine pflegerischen Aufgaben, sondern arbeiten an der Seite von Altenpflegern und entlasten diese "bei den kleinen Verrichtungen und Anforderungen der älteren Menschen, für die im Pflegealltag oft keine Zeit bleibt". Die Begleitung beim Spaziergang zählt dazu, oder das gemeinsame Spiel. "Diese zusätzlichen Leistungen sind ein Gewinn an Menschlichkeit und Qualität", so Joachim Otto. Die Erfahrungen des ersten zwölfmonatigen Qualifizierungskurses der Diakonie Frankfurt waren positiv. Nicht alle Teilnehmer haben bis zum Ende mitgemacht – auch darin liegt ein Erkenntnisgewinn –, die Absolventen haben Jobs oder zumindest die reelle Chance und auch die sozialen Einrichtungen der Altenpflege bekommen die gesuchten neuen Mitarbeiter. Dabei kann die "Förderkette" zum Einsatz kommen und der Betriebliche Eingliederungszuschuss (BEZ) greifen. Die Maßnahme ging am 1. August 2010 mit neuen Teilnehmern in die zweite Runde.